Planungsphase
Die Idee des Projekts entstand 1983 zur Zeit des Häuserkampfes. Eine Gruppe von Studierenden, die sich im Umfeld des Martinswerks bzw. der ESG bildete, tat sich mit einer Gruppe geräumter BesetzerInnen aus Charlottenburg und deren FreundInnen zusammen, um auf legalem Weg gemeinsam ein Haus instandzusetzen und selbstverwaltet zu bewohnen.

Ausgangspunkte waren der Wunsch nach Überwindung isolierter Wohnstrukturen, der Erhalt billigen Wohnraums und die Möglichkeit der Gestaltung und Selbstverwaltung desselben sowie der Gedanke, ausgehend von einem solchen Lebenszusammenhang politische Verantwortung besser erkennen und wahrnehmen zu können.

Nach längerer Suche konnte schließlich im August 1983 unter dem Dach des Martinswerks ein 15-jähriger Nutzungsvertrag mit einer Verlängerungsoption um weitere 10 Jahre mit der GeSoBau über ein leerstehendes, völlig heruntergekommenes Hinterhaus und den Seitenflügel in der Grüntaler Str. 38 in Berlin Wedding abgeschlossen werden. Vorausssetzung war die Instandsetzung und Modernisierung des Gebäudes durch die BewohnerInnen.


Das Haus vor Beginn der Modernisierung

Bauzeit
Mit Hilfe eines Selbsthilfeprogramms des Berliner Senats wurde das Haus im Laufe von mehreren Jahren vollständig umgebaut. Ein flexibles Konzept ermöglicht das Zusammenleben in einer Großgruppe mit einer Gemeinschaftsküche für 25 Personen und enthält gleichzeitig die Möglichkeit der Aufteilung in vier größere Wohngemeinschaften mit separaten Küchen. Werkstätten, Arbeits- und Gemeinschaftsräume werden kollektiv genutzt.

 

Entscheidungsstrukturen und Organisation des Alltags

Entscheidungen werden auf dem inzwischen zweiwöchentlichen (früher wöchentlichen) Plenum nach dem Konsensprinzip getroffen. Gelegentliche gemeinsame Kurzreisen übers Wochenende oder Supervisionen haben uns über die Jahre geholfen, ausführlicher über schwierigere Situationen oder über Perspektiven und Bedürfnisse der Einzelnen und der Gruppe zu diskutieren.

Nachdem wir viele Jahre weitgehend als Großgruppe mit einer gemeinsamen Küche und Haushaltsführung gelebt haben, hat sich in den letzten Jahren die Tendenz zu kleineren Untergruppen/Familien mit teilweise individueller Haushaltsorganisation verstärkt. Durch Elternschaft und Berufstätigkeit ist der Wunsch nach Ruhe und Überschaubarkeit gewachsen. Im Juli 2008 leben wir in zwei größeren WGs, einer Familie sowie einer Paarbeziehung zusammen. Abgesehen von unseren regelmäßigen Plena treffen wir uns gelegentlich zu gemeinsamen Essen oder Aktivitäten.

Im August 2008 läuft unser 25-jähriger Nutzungsvertrag aus. Seit zwei Jahren bereits haben wir uns um Vertragsverhandlungen für einen Folgevertrag mit der GeSoBau bemüht. Mit politischer Unterstützung ist es seit diesem Frühjahr inzwischen endlich zu Gesprächen mit der GeSoBau gekommen. Ein neuer Vertragsabschluss wird für Oktober 2008 angestrebt.
Die lange Unklarheit über unsere Perspektiven hat uns viel Zeit und Kraft gekostet. In den letzten zwei Jahren sind viele langjährige Zorrows ausgezogen. Die Suche nach neuen MitbewohnerInnen gestaltet sich auch aufgrund der unklaren Perspektiven teilweise schwierig. Als Gruppe von überwiegend relativ "neuen" und wenigen "alten" Zorrows versuchen wir uns nun neu zu definieren.

Unsere Miete ist unabhängig von der Wohnraumgröße der Einzelnen nach Einkommen gestaffelt. Miete und Lebensmittel für Kinder werden von der gesamten Gruppe getragen. Ob wir nach einem Vertragsabschluss ab 2008, voraussichtlich mit einer erheblich erhöhten Mietbelastung, bei diesem Konzept bleiben, wird gerade diskutiert.

 

 

kleine Animation