Unser noch recht neuer Mitbewohner Alistair Noon, nach wenigen Monaten bei Zorrows erstmal für ein Jahr nach China gereist, um Zeit zu haben zum

"... schreiben, Gitarre spielen, schlafen und Bier trinken.....Chinesisch lernen hatte ich vergessen bei der Auflistung meiner Freizeitaktivitäten. Das tue ich viel, bzw kombiniere mit Dichten indem ich Gedichte aus der Tang-Dynastie ( 6. bis 9. Jahrhundert, klassische Ära der chinesischen Lyrik und Kultur insgesamt) übersetze. Und ein, zwei neue eigene Gedichte habe ich auch schon."

Die chinesischen Gedichte sind noch nicht bei uns eingetroffen, doch im Folgenden eine Kostprobe aus dem Berliner Alltag:

 

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The bottles

I keep two bottles
in my room. One
is for me and one
for my plants.

Once in a week
I slouch downstairs
to the tap and fill them
to the brim.

Sometimes
I confuse them
and my vegetable charges

set off for work, get
backache at screens,
row with their boss,
while I

pose at the window
going brown,
thoughtful, wondering
when those arseholes

will return with the bottles.

Die Flaschen

Ich halte zwei Flaschen
in meinem Zimmer. Eine
ist für mich und eine
für meine Pflanzen.

Einmal in der Woche
latsche ich nach unten
zum Wasserhahn und fülle sie
bis zur Kante.

Manchmal
verwechsele ich sie
und meine vegetativen Mündel

gehen los zur Arbeit,
kriegen Rückenschmerzen am Rechner,
haben Krach mit ihrem Chef,
während ich

am Fenster posiere
und braun werde,
nachdenklich, und mich frage,
wann diese Arschlöcher

mit den Flaschen wohl zurückkommen.